Tempo im Netz
Wer ist eigentlich für das Tempo zuständig, mit dem ich Daten
aus dem Internet empfange? Klar – mein Internet-Provider. Oder doch
nicht? Nun, zum Teil schon. Aber eben nur zum Teil. Verfolgen wir
mal schematisch und in Auszügen die Strecke, die ein Seitenanruf
beispielsweise von VDSL.de durchläuft. Man öffnet den
Internet-Browser und tippt in die Adresszeile www.vdsl.de.
Daraufhin flitzen die Daten über den eigenen Anschluss oder das
Netzwerk (gerne auch über eine Funkstrecke über ein WLAN) zum
Hauptverteiler (HVt) der Deutschen Telekom. Denn für das letzte
Stück des Weges zwischen dem Hausanschluss und dem HVt ist nun
einmal das früher staatliche Unternehmen zuständig. Rund 8000
dieser HVt gibt es in Deutschland. Nicht jeder kann einen Anschluss
gleich in der Nähe eines HVt haben. Und daraus ergeben sich die
ersten Probleme.
Der DSL-Provider ist weder für die Vernetzung eines PC mit der
Anschlussdose im Haus (TAE) noch für die Länge der Verbindung
zwischen TAE-Dose und HVt verantwortlich. Beides kann aber zu
Einschränkungen beim DSL-Tempo führen. Zum einen, weil die
Hausverkabelung nicht optimal ist, zum anderen, weil die Entfernung
zwischen TAE und HVt die Länge des benötigten Kabels zwischen
beiden bedingt. Und je länger das Kabel, desto stärker die
Signaldämpfung – und damit desto geringer das Tempo (weil einfach
ausgedrückt weniger Daten in gleicher Zeiteinheit durchkommen).
Hinter dem Hauptverteiler übernimmt der DSL-Provider die Daten mit einem DSLAM genannten Modem, das für die vom Kunden gebuchte Geschwindigkeit optimal eingestellt ist. Von dort aus schickt der Provider die Daten über sein Konzentratornetz zu einem der 74 Übergabepunkte für T-DSL in die unterschiedlichen Anbieternetze (z.B. von T-InterConnect oder Telefonica). Weiter geht es in unterschiedliche Netze und hin zum gewünschten Internet-Server, auf dem die abgerufenen Informationen bereit stehen. Ab dem Übergabepunkt ist der DSL-Provider absolut machtlos, er hat keinen Einfluss auf die Art und Geschwindigkeit der Übertragung. Wie schnell die Daten durch die Netze geleitet werden, hängt von der Kapazität der Leitungen und deren Auslastung ab. Und natürlich vom Arbeitstempo und der Auslastung, des Internet-Servers, auf dem die abgerufenen Daten gespeichert sind.
DSL-Speed-TestsAber es gibt doch viele Seiten, auf denen man einen Speed-Test für den eigenen DSL-Anschluss machen kann – die sind doch immer objektiv, oder? Leider nein. Denn so ein Test misst eben nicht die Abschnitte, die unter der Verantwortung des DSL-Providers liegen, sondern die Übertragungen über die komplette Strecke. Man misst also sowohl das Internet allgemein als auch das Tempo, mit dem der Testserver arbeitet, gleich mit. In das Gesamtergebnis gehen also viele Faktoren mit ein, die der DSL Provider nicht beeinflussen kann. Ganz abgesehen davon, dass vielleicht das eigene Heimnetz per Funk nach altem b-Standard arbeitet (max. 11 MBit/s) und deshalb dem maximalen Tempo einer Übertragung von DSL 16000 nicht gewachsen ist.
Fritz!Box als Tachometer- Die Fritz!Box von AVM kann man gut für eine objektive Speed-Messung des DSL-Anschlusses einsetzen.
Wie schnell die Verbindung zwischen dem Provider-Modem (DSLAM)
und dem eigenen PC ist, zeigt die Fritz!Box sehr schön an. Wer
einen AVM-Router hat, startet dessen Menü, indem er einen
Internet-Browser öffnet und in die Adresszeile „fritz.box“ eingibt
und die Eingabetaste drückt. Anschließend klickt man im Menü links
auf „Einstellungen“ und dann auf „Internet“. Im Untermenü wählt man
„DSL-Informationen“ und im Fenster oben den Reiter „DSL“. Auf der
folgenden Seite listet die Software Daten über die
Leitungskapazität, Nutzdatenrate oder die Leitungsdämpfung auf. Man
erhält damit einen sehr guten Eindruck davon, wie schnell der
eigene Anschluss arbeitet.
Die Leitung zur Vermittlungsstelle (HVt) kann man nicht beeinflussen, auch eine mögliche Überlastung des Internet nicht. Doch ein paar kleine Tricks helfen dabei, die mögliche Kapazität des eigenen Anschlusses voll auszureizen:
- Hausverkabelung überprüfen
Der DSL-Splitter sollte auf jeden Fall direkt an die TAE-Dose angeschlossen werden, nicht etwa an eine nachträglich angebrachte Kabelverlängerung. Alle Kabel sollten sauber verdrillt verlegt sein und keine Bruchstellen haben (wie unnötige Lüsterklemmen).
- WLAN prüfen
Schnelle DSL-Leitungen mit bis zu 16000 MBit/s werden von Funknetzen mit der älteren Technologie 802.11b (max. 11 MBit/s) ausgebremst. Abhilfe schafft der Wechsel auf 802.11g oder kommende Standards.
- LAN-Komponenten aktualisieren
Ältere Netzwerk (LAN)-Karten oder -Mehrfachverteiler (Hub, Switch) arbeiten manchmal nur mit maximal 10 MBit/s. Auch sie können also schnelle DSL-Zugänge bremsen. Abhilfe schafft deren Austausch gegen moderne Komponenten, die mit 100 MBit/s oder mehr arbeiten.
- Virenscanner und Firewalls
Schutzprogramme können die Übertragungsgeschwindigkeit senken. Wer keine anderen Schwachpunkte ausmachen kann, und dennoch mit dem DSL-Tempo nicht zufrieden ist, sollte Virenscanner und Firewall probehalber durch andere Programme ersetzen. Vielleicht ist damit schon eine wesentliche Bremse gelöst.
